Mama's notes übern Tellerrand hinaus

Küchentischpsychologie oder Geschichten vom Scheitern

Comments (7)
  1. Esther sagt:

    Hallo,

    ich finde Deinen Ansatz sehr interessant. Ich las mal einen Artikel, in dem sinngemäß stand: „Wenn Dir ein erfolgreicher Mann erzählt, er sei durch harte Arbeit reich geworden, dann musst du immer fragen: durch wessen harte Arbeit?“

    Also frage ich mich in Bezug auf das elterliche, besonders auf das mütterliche Scheitern: Wer scheitert eigentlich noch, außer den einzelnen Müttern (und Vätern), die jeden Tag an der Alltagsfront drölftausend Ansprüchen gerecht werden sollen? Ich sammele nur mal ein paar Ideen:
    – die Medien, die seit Jahrzehnten daran festhalten ständig die alten Familienidyllen zu reproduzieren, statt mal nicht nur zu Randzeiten kreativ und innovativ mit dem Thema Familie umzugehen.
    – die Politik, die sich ebenso wenig vom Familienbild der 50er Jahre lösen kann und sich in Symbolhandlungen ergießt, statt wichtige Reformen in Angriff zu nehmen
    – die Unternehmen, die an verknöcherten hierarchischen Strukturen festhalten, die total familienunfreundlich sind, aber sein Personal auszubrennen imponiert halt den Aktionären, mimimimi, es geht eben nicht anders, mimimimi

    Eigentlich sind wir, die wir am untersten Ende der Entscheidungsketten in dieser Gesellschaft stehen, wir Mütter (und Väter) an der Alltagsfront, diejenigen, die noch am wenigsten scheitern. Wir werden kreativ, wir arbeiten an uns, wir reflektieren und versuchen im Umgang mit unseren Kindern eine bessere Gesellschaft herbeizuführen. Wir haben Mut, gehen Risiken ein, sind innovativ, versuchen Diskriminierung und Unterdrückung zu lindern, diskutieren, gehen neue Wege, denken nach, schreiben Blogs, unterstützen uns gegenseitig, machen unseren Kindern Mut, hinterfragen alte Ideale und sind selbstkritisch in einem Außmaß, da können sich die DAX-Vorstände noch so mehrere hundert Scheiben von abschneiden.

    Wenn wir es so sehen, dann scheitern wir Mütter (und Väter) nicht. WIR NICHT! Wir könnten den Politiker*innen sagen: macht erstmal eure eigenen Hausaufgaben, bevor ihr uns sagt, wie wir uns optimieren sollen. Wir könnten den Medien sagen: Eurer altbackenen Kram geht uns auf den Keks, eure Mutlosigkeit kotzt uns an, hört auf mit dem Finger auf uns zu zeigen! Hört auf uns mit den Idealen von vorvorgestern zu nerven! Und ihr Unternehmer? Wollt ihr morgen und übermorgen auch noch Gewinne machen? Und in 10, 20 Jahren? Und auch noch gut ausgebildetes Personal finden? Ja? Dann zeigt mal die Dankbarkeit den Müttern (und Vätern), die die nächste Generation aufziehen, die angebracht ist, angesichts der Steine, die ihr ihnen bisher in den Weg legt!

    Eltern scheitern, weil es ihnen die Gesellschaft kaum möglich macht, nicht zu scheitern. Weil die Rahmenbedingungen denkbar schlecht mit den allgemeinen Anforderungen zusammenpassen. Wenn wir Eltern also scheitern, dann können wir uns auch mal fragen, wessen Scheitern ging unserem Scheitern voraus? Wer, der mehr Einfluss und Entscheidungskapazitäten hat, legte die Grundlagen für unser Scheitern?

    Liebste Grüße
    Esther

    1. Mama notes sagt:

      Liebe Esther, vielen Dank für diesen ausführlichen, großartigen Kommentar. Hast Du ein Blog, wenn nicht, mach Dir eins und blogge darüber.
      Ja, ähnlich sehe ich das auch. So viel ist im Privaten gar nicht zu leisten, was einem im politischen, öffentlichen, wirtschaftlichen nicht wieder zerhauen wird. Abgesehen vom Status- und Prestigeanspruch, den wir alle, vermutlich ohne größere Ausnahmen, irgendwie haben. Das macht auch alles Druck, finde ich. Aber was politisch und auf unternehmerisch-wirtschaftlicher Seite torpediert wird, ist schon ehrheblich. Ein Großteil des Versagensgefühls als Eltern kommt auch daher, dass wir im Arbeits/Job-Umfeld einen so großen Versagens- und Scheitern-Druck haben, dass uns schlicht Zeit und Energie für besseres Eltern-sein fehlt.

  2. Nieselpriem sagt:

    „Was denkst du?“ fragt Dein Kommentarfeld und ich denke, ich würde jetzt gern auf einen Milchkaffee und ein Stück Kuchen rumkommen.
    Danke für diesen Text!

    1. Mama notes sagt:

      Komm rum, ich freu mich! <3

  3. Like ! ( irgendwie funzt der Button bei mir nicht) .

  4. Verena sagt:

    Was für ein toller Text. Alleine der Satz zum Glücklichsein, 19h, Zubettgehzeit und der Unnötigkeit einer weiteren Erläuterung, ich musste lachen, mein Herz war erfreut über Form und Inhalt.
    Herz erfreut, ja, und das ist auch das Stichwort. Druck rausnehmen, ja, total, ich bin dabei, ich mache mit, lass mich von dem Funken anfeuern Dir zu sagen, ich bin zutiefst überzeugt, dass das ist, was wir alle brauchen.
    Um gesünder, glücklicher uns zu fühlen, weniger zerrieben zwischen den ganzen Ebenen unseres ichs.
    Und dann möchte ich Dir noch eine Ebene hinzufügen, ganz im Sinne von Mütter-einfach-Frauen-Menschen-Synergie. Ich will Dir als Soziologin sagen, wir sind die, die die Gesellschaft sind und machen. Wir müssen uns nicht von ihr gegängelt und missverstanden fühlen in einem ohnmächtigen Sinn. Viel mehr uns gegenseitig anstiften genau dafür uns zu ermächtigen Verantwortung zu übernehmen, da wir sie haben. ‚Wir‘ sind ‚die‘.Also können wir es auch ändern, und zwar ganz genau da, wo du ansetzt: bei uns selbst.

    Ganz toller Text finde ich und ich kann Dir nur beipflichten, kann nur sagen, genauso machst du es, genauso mache ich es und jedem gratulieren und dankbar sein, der die ‚Tiefenwirkung‘ davon spürt und mitgeht.

    In diesem Sinne: LoveandPeace ;) <3

  5. junaimnetz2013 sagt:

    Ein wunderbarer Text!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

%d Bloggern gefällt das: