Erziehung & Beziehung

Kann ein Junge in einem Kleid zur Schule gehen? :: Gastbeitrag

Comments (9)
  1. parence sagt:

    Hi, das ist ja gar nicht einfach. Die Rollenklischees sind wie einbetoniert. Ich hätte schon Angst um mein Kind das es zur Zielscheibe wird. Das ist oft Zufall was für andere Kinder da sind und wie sie damit umgehen. Der Lehrer sollte es auf jeden Fall wissen und unterstützen. Verbieten ist auch schlecht. Das nimmt das Selbstwertgefühl. Wenn er aber sonst auch immer Kleider oder Röcke trägt und es in der Schule verheimlicht, baut sich noch mehr Unbehagen auf. Er sollte sich frei fühlen, weil sonst schadet es seiner Seele. Ging mir ja genauso, bloss damals war das nur krank und strengstens verboten, im katholiscen Bayern 😏 LG

  2. Man wundert sich ohnehin, dass Männer noch nicht die Röcke und Kleider für sich entdeckt haben – gerade im Sommer ist so ein luftiger Kleidungsstück einfach super!

    Was den Jungen im Artikel angeht, würde ich mich genauso hin und hergerissen fühlen. Man will auf dumme Geschlechterklischees nicht eingehen, aber seine Kinder auch irgendwo schützen. Wahrscheinlich kommt es aufs Kind an. Wenn er stark ist und das aushalten kann, würde ich es zulassen.

  3. Wir können uns nicht zwischen unsere Kinder und die Welt stellen. Aber wir können sie stark machen und darauf vertrauen, dass sie – mit uns an ihrer Seite – ihren Weg machen werden.

  4. Jana sagt:

    Liebe Sonja, toller Gastbeitrag. Spannend!

    Ich kann ein bisschen was dazu beitragen.
    Ich habe zwei Kids: Großes Mädchen, kleiner Junge.
    Unsere Tochter bemerkte früh, dass „Jungssachen“ viel praktischer sind und steuerte immer sofort die Jungsabteilung an, wenn wir neue Klamotten brauchten. Besonders Mädchenhosen fand sie blöd. (die werden ja schon für Säuglinge auf Taille geschnitten!) Sie hatte natürlich auch Glitzer-rosa-Phasen. Aber die dauerten nie lang. Aber bei Mädels ist das ja meist unproblematisch. Sie wurde höchstens mal als Tomboy bezeichnet. Aber gut…

    Unser Sohn wollte oft, was unsere Tochter hatte: Glitzernagelack, Röcke, Zöpfe.
    Wir ließen ihn das immer machen. Je kleiner die Kinder sind, um so unkomplizierter ist es ja. So lebte er im Kindergartenalter mal ca. vier Wochen als Mädchen. Er nannte sich Carlotta und zog jeden Tag „Mädchensachen“ an. Das viel nicht weiter auf. Er hatte auch langes Haar. Die meisten Leute hielten ihn wohl einfach für ein Mädchen.
    Die, die wussten, dass er ein Junge ist, reagierten schon oft bescheuert. Da kamen gleich so Sprüche wie: „Na der ist wohl schwul!“. Hallo? Und wenn?!

    Dann kam er in die Schule. Immer noch mochte er Nagelack und Glitzerzeugs. Er trug/trägt oft die T-Shirts seiner großen Schwester. Die, die rosa/lila und mit Glitzer waren, am liebsten.
    Eines Abends malte er sich mal wieder die Nägel an. Ich besprach das (wie die Eltern in dem Text) mit ihm, dass es sein kann, dass die anderen Kids aus der Klasse sich evt. darüber lustig machen könnten. Er hörte sich das an und ging dann trotzdem mit bunten Nägeln in die Schule.
    Am Nachmittag fragte ich ihn, wie es gelaufen sei. Er sagte es hätte sowohl blöde Sprüche als auch Bewunderung gegeben.
    Am nächsten Tag kam er strahlend aus der Schule und verkündete viele Jungs hätten bunte Nägel gehabt.
    Das kam wirklich unerwartet für mich und ich habe mich total darüber gefreut. Trendsetter!
    Er ist jetzt 12 und ziemlich selbstbewusst mit seiner Klamottenauswahl. Wenn er was mag, isses ihm ziemlich egal, was andere dazu sagen. Er ist z. B. mal mit hochhackigen Stiefeln von mir in die Schule gegangen.

    Ich muss aber gestehen, dass ich bei einem Einschulungskleid auch echt ins Schleudern gekommen wäre.
    Ich weiß nicht, wie wir das entschieden hätten.
    Ich ärgere mich aber über mich selbst, dass ich da nicht drüber stehe.

    Alles Gute für die Einschulung – wie auch immer ihr das entscheidet! <3

  5. Bleistifterin sagt:

    Ich glaube, ihr macht das ganz richtig und konsequent. Das Kind vorwarnen, dass andere Kinder ihn verspotten könnten , ist fair. Aber wenn er das Risiko eingehen will, ihm den Rücken stärken.
    Und vielleicht gibt’s ja gar keine dummen Sprüche? (Vor den Eltern würde ich mich eher fürchten)

    1. Lennart sagt:

      Ich bin Vater von drei Jungs (7, 4 & 2), die alle gerne Röcke und Kleider tragen. Bei uns gab es keine großen Schwestern, von denen Kleider aufgetragen werden konnten. Dennoch kam beim Ältesten in der Krippenzeit der Wunsch nach einem Rock auf (bei seinem Krippenkumpel ebenso). Seither lassen wir alle drei frei entscheiden, was sie anziehen wollen. Ebenso tragen die beiden älteren lange Haare, gerne auch mit Zöpfen.
      Wir haben es vor der Einschulung ähnlich gehandhabt, wie der Gastautor: Unseren Sohn vorgewarnt, dass es blöde Sprüche oder zumindest (auf Dauer nervende) Fragen geben könnte. Er hat sich dann selbst dazu entschieden erstmal nicht in Kleidern oder Röcken zu Schule zu gehen.
      Einige Wochen nach Schulanfang wollte er dann doch ein Kleid anziehen, was er natürlich auch durfte. Nachmittags antwortete er dann auf die Frage, ob irgendetwas den Tag über doof war, nur, dass er sich gestritten hatte, das Kleid aber dabei keine Rolle gespielt hat.
      Mittlerweile, er ist jetzt in die zweite Klasse gekommen, wählt er wieder nach Belieben aus, was er anziehen möchte. Schule ist zwar ein bisschen wie eine Black-Box, man bekommt viel weniger mit, als im Kindergarten, aber ausgehend davon, was er bzw. die Lehrer berichten, ist es bislang nicht zu nennenswerten Problemen gekommen.
      Einmal wurde er von älteren Schülern darauf hingewiesen, dass er auf die „falsche“ Toilette gehen wolle. Das hat er selber geklärt… So haben wir uns das erhofft und wünschen uns, dass er weiterhin so selbstbewusst ist, wobei wir ihn so gut wir können unterstützen.
      Meine Frau hat zu der Zeit einen Blogartikel zum Thema verfasst, den ich mal verlinkt habe…

  6. Alex sagt:

    nee, Würde meinen Sohn in einem Kleid in die Schule nicht gehen lassen.

  7. klio sagt:

    Ich verstehe das Problem nicht ganz…

    1) Warum denkt der Junge, dass zu ’sich schick machen‘ ein Kleid gehört? Das finde ich doch schon ein ganz schönes Genderklischee.

    2) Es schreibt ja ein Vater, also scheint der im Leben des Kindes vorhanden, warum gibt es dann für das Kind keinerlei männliche Kleidungsmuster beziehungsweise solche, die nicht nur ‚das Kleid‘ zur alleinigen Alternative für schicke Kleidung machen?

    3) Warum hält man es für den einzigen Weg,, dem Kind zu erklären, dass es alles ‚richtig‘ macht? Kann man mit Kleidung etwas falsch machen? Können Kinder die Erfahrung machen, dass gesellschaftliche Muster existieren, die man befolgen kann oder nicht, wenn man ihnen beibringt, dass es dahingehend richtig und falsch gibt?

    Gerade den letzten Punkt finde ich nach eingem Nachdenken für etwas schwierig… Das Kind lernt, dass man etwas Besonderes/ besonders Tolles ist, wenn man sich hyperindividualisiert. Das halte ich für fatal, weil so Kleidung und schließlich und endlich Konsum zu einer Identitätsfrage werden. Das halte ich für psychologisch schwierig und auch für nicht gerade nachhaltig.

    Zum anderen finde ich die Kategorien männlich/weiblich für überbewertet mit Rekurs auf Kinder. Kinder (deutlich vorpubertär) sind in ersten Linie Menschen, sie fokussieren nicht so krass auf Ihre geschlechtliche Identität, ohne dass Erwachsene sie in eine Richtung drängen – seien es Eltern oder weitere Bezugspersonen, sei es Richtugn starrer Geschlechtsstereotype oder der krassen Ablehnung derselben.

    Wenn Knaben Kleider tragen, weibliche Kostüme, bunte Nägel, Spangen et. bekommen sie früher oder später von ihren Peers vermittelt, dass sie vom regelfall abweichen. Wenn man glaubt, sie mit einem ‚du machst alles richtig‘ gut zu beraten, irrt man sich. Denn im Sinne der dialektischen Logik erkennt man Genderklischees mit ihrer radikalen Umkehrung eben an.

    Ein Tomboy als Tochter und ein Knabe in Mädchenkleidung in derselben Familie – das wäre mir suspekt. Das Thema scheint mir dann insgesamt etwas überbetont und trotzig umgekehrt….

    Mutter von 2 Mädels mit Kurzhaarschnitt und einem Knaben, der so ziemlich alles hier aufgeführte getragen hat und tragen durfte

  8. Greta sagt:

    Ich habe ebenfalls einen Sohn, der Kleider und Röcke und pink und Glitzer liebt. Und ich lasse ihn. Er kommt jetzt in die zweite Klasse und seine Mitschüler haben sich an Pinke Hosen, Pullis mit Einhörnern und Glitzerschuhe gewöhnt. Auf Fragen, ob er lieber ein Mädchen wäre antwortet er immer mit „warum denn, pink ist eine Farbe und Farbe ist für alle da. Und warum dürfen den nur Mädchen Kleider tragen?“ darauf fällt den meisten Kindern nichts ein.natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, wie es wohl in der Schule werden wird, aber ich habe ein sehr starkes Kind erzogen, das genau weiß was es will. Und daher kam es nicht in Frage, ihn bei seiner kleiderwahl einzuschränken. Er ist toll, so wie er ist und ich werde ihn nicht der Gesellschaft anpassen, wenn es bedeutet ihn in seiner Persönlichkeit einzuschränken. Die dazu auch niemanden verletzt.
    Also, steht zu eurem Sohn, lasst ihn, seid für ihn da. Er wird seinen Weg finden.

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